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Assalamu alaykum!
Du hesch ploetzlech die Idee u seisch:
"Weisch wie lang, dass ig z'Meer scho nueme ha gseh?"
Ig mues lache u du ueberlesch u seisch: "Morn am 3 waere mir z'Nizza...
..Vo det choent me z'Schiff naeh, bis uebere nach Afrika,
Det verchoufe mir z'Outo, naer laengts fuer e Monet oder so,
U det bin ig no nie gsii, u Casablanca toent doch besser als Buempliz!
Kuno Lauener hat es nie bis hierher geschafft; Im Refrain verlaesst ihn
dann auch der Mut:
...u naehr si mir gange,
mir si druf u drane gsii;
mir waere fasch gange,
aber du oder ig ha ploetzlech gseit es schiist mi ah...
Polo Hofer hat's im Sommer '68 weiter als Buempliz geschafft - bis
Gibraltar:
... irgendwo zwuesche Barcelona u am Felse vo Gibraltar
han ig mir spanischi Stifel gchouft, aes wunderhuebsches Paar...
Selbst Humphery Bogart, der seine Angebetete im Jahr 1942 im
Kultstreifen Casablanca verlassen muss (You must remember this.....)
hat nie einen Fuss in diese Stadt gesetzt. Warner Bros zog eine kuenstliche Kulisse im heimischen Hollywood vor; Zurecht, sollte doch noch vor Drehschluss General Eisenhower und die Alliierten 25'000 Solaten hier stranden lassen.
3'317 km, knapp 30 Tage musste mich meine BMW hierher tragen, ohne nennenswerte Probleme oder Pannen - Deutsche Werksarbeit eben... Vom westlichen Euroland gibt's nicht viel zu erzaehlen, ausser dass der gemeine Spanier nur Spanisch spricht und ausschliesslich Spanisch versteht; Mein Spanisch erscheint ihm anscheinend spanisch, aber eben nicht Spanisch...
Durch den Kartoffelgraben nach Genf, via die "Route de Napoleon" ueber die Alpen ans Mittelmeer, der Kueste entlang nach Spanien, Costa Brava-Bianca-Sol bis nach Gibraltar, dem Ende unseres Kontinets: Bern, Geneve, La Mure, Monpellier, Perpignan, Tossa del Mar, Tarragona, Denia, Cartagena, Almeria, Marbella, Gaucin, Algercias...
Mitten im Mond des Ramadan bin ich in Tanger, dem Tor zu Afrika gestrandet. Obwohl nur einen Katzensprung von Spanien/Europa gelegen, herrscht hier eine voellig andere Zeit, andere Sitten und vor allem ein anerer Knig: Mohammed VI heisst letzterer, Islamisch der Eindruck und das Benehmen seines Volkes und je nach Auffassung zwischen einer Stunde und mindestens 100 Jahre Zeitunterschied zum Euroland.
Tanger ist keine Stadt zum verweilen, zumindes nicht fuer einen frischgebackenen Afro-Neuling wie ich: Zu viele faux guides & amis, falsche und korrupte Zoellner, reiche und dumme Europaeer... Noch in der selben Nacht (ich werde es nie mehr bei Nacht tun) bin ich fuer einige Tage nach Asilah und spaeter nach Rabat gefluechtet um auf meine Seele zu warten, sodass sie mir wohl nach Afrika folgen moege und um zu rasten und zu fasten.
Marokaner lieben es Fremde anzusprechen und zu konversieren. Einige tun dies zur Auffrischung ihrer Franzoesischkenntnisse und des Fernswehs wegen, andere eher zur Auffrischung ihres nicht existierenden Einkommens wegen, um vermutlich irgendwann mal einen TV kaufen zu koennen und fernzuwehen...
Hat man erst mal ein paar Dirams fuer unerwuenschte oder triviale Auskuenfte, kranke Muetter, wichtige Telefonate und Parkplaetze im Parkverbot als Lehrgeld verschenkt, stoesst man dann aber an die wirklich interessanten und interessierten Marokaner: Der Nachtwaechter der 3 Monate als (linker) politischewr Haeftling im Staatskerker fristete und mir Gedichte schrieb, der Blumenverkaeufer, der von einem eigenen Laden traeumt aber regelmaessig von seinen eigenen Vorgesetzten ausgeraubt wird, der 49jaehrige Kif-Dealer der einen ganzen Abend nur von seinen zwei Toechtern redet und alles fuer sie machen wuerde und gemacht hat, der Franzoesischprofessor der den Rest der Nation als Barbaren und Ignoranten beschimpft, der Elektroingenieur der einen Riesenschwindel und der Korruption im regionalen
staatlichen Elektrizitaetswerk Einzug halten wollte und als Dank eine krasse Lohnkuerzung und einen Verwarnung fuer "Nichtrespektieren seiner Vorgesetzten" kassierte und zuletzt Hassan, der Maschineningenieur der geheiratet hat (seine Frau sogar selbst ausgewaehlt), sie aber weder versteht, respektiert oder geschweigedenn liebt und deswegen ein Leben lang ungluecklich sein wird... All diese Marokkaner wollten von mir nichts anderes als ein offenes Ohr, mit mir einen Tee trinken (keine Chance dass ich die Rechnung begleiche) und mir mit offenem Mund meine Geschichten vom reichen Europa anhoeren.
Und hat man(n) hier erst mal zu diskutieren angefangen, kommt man im Eifer des Geschwaetzigen nicht mehr davon ab, der ganze Nachmittag ist dahin und die obligate Einladung zum Nachtessen folgt garantiert. Bei einigen habe ich angenommen und zu herrlichem Tajine (Eintopf) und uebersuesstem Pfefferminztee die halbe Nacht weierplagiert. Nicht ganz ungluecklich verlasse ich morgen diese Stadt der Traeume(r), gen' Sueden, immer der Kueste entlang: Essaouira, Agadir, Tarfaya und weiter der Nasenspitze nach - Insha` allah natuerlich...
Was ich noch loswerden wollte: Der Lonely Planet fuer Frankreich und Spanien ist Riesenkake, Maroko hat im Finale des Africa-Cup haarscharf gewonnen und die Haeuser in Casablanca sind nicht weiss sondern rabenschwarz vom Russ der Dieselkisten die sich durch die Strassen und Gassen waelzen.
Und du? Konsumrausch vor Weihnachten? Feuchterhundgeruch in Bus und Tram? Apres-Ski bis zum Beinbruch oder warten auf den Winterschlussverkauf?
Naja, macht's nicht gut, macht's besser - oder versucht es zumindest!
Bislama: Luc goes south.
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