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M.f.G. aus bersee No 7

sender:

Luc goes south <lgs@luc.net>

date:

18-06-2003

subject:

M.f.G. aus bersee

position:

La Rpublique Islamique de la Maurtanie (RIM)Le Senegal and The Gabia

message:

Und was macht eigentlich Luc!?

Der wollte doch diesen Winter immer der Kste entlang 'gen Sden. Mit seinem Motorrad... Zzzz... Die lngste Tour die er bis anhin gemacht hat dauerte knappe 6 Stunden. Ostschweiz und zurck. Danach hatte er sich tagelang ber Rckenschmerzen und ckegschdabbi beschwert...

Soviel sei vorweggenommen: Es geht ihm gut, Lariam und Meflukin zum Trotz ist er glcklich und gesund in die CH zurckgekommen.

Einen halbwegs funktionierenden, zahlbaren Internetanschluss samt Computer (dochdoch, da gehrt zum Beispiel eine Tastatur dazu...) in der Wste oder in der Savanne zu finden, ist in etwa gleich schwer wie einen  Khlschrank in Grnland aufzutreiben oder einem Mauretanier ein Lcheln  abzubringen... Auch hatte ich irgendwie keine grosse Lust bei 30 Grad Tiefstwerten (nicht im Schatten, in der Nacht!) in von Sand knirschende
Tasten zu drcken; genauso wenig Lust eben, wie der Mauretanier Lust hat net(t) zu sein...

Lasst uns die Erzhlung nrdlich beginnen: Lnggasse, Frankreich, Spanien und Marokko hatten wir vor Weihnachten irgendwann mal...

Die Westsahara:

Nach ca. 5000 km hrt irgendwann mal die Strasse auf. Ein freundlicher marokkanischer Zllner (barfuss) taucht aus dem nichts auf und bittet dich mit ihm hinter die nchste Dne ins "Zollhauptquartier" (4 Mauern, ein Wellblech) zu folgen. Dort sitzt der Oberzllner. Einziges Utensil das er besitzt ist der Marokkanische Ausreisestempel und ein trockenes, rotes Stempelkissen. (Mit Spucke befeuchtet tut's auch.) Der redet dir dann nochmals ins Gewissen: "Il y a des mines, c'est le dsert et vous quittez le Royaume du Maroc". Er htte auch sagen knnen "Ab hier ntzt dir dein ETI-Schutzbrief nichts, die Rega wird dich hier nicht holen kommen weil kein Telefon; wenn du ab hier irgendetwas haben willst musst du Cash haben (und es dir nicht klauen lassen A.d.R.)..." Er zeigt dir noch grob die Himmelsrichtung wo's langgeht: "Ceci est le chemin"...

Chemin?! Da ist aber nix! Was dann kam, daran kann ich mich nur noch bruchhaft erinnern. Was ich noch weiss ist dass mein Bike vollgetankt 260kg schwer ist, mit Gepck fast 300kg, mit mir obendrauf sicher 380kg. Mein Bike hat Einradantrieb, hinten. Sand ist weich. Das mag beim Umfallen ein Vorteil sein, beim Fortbewegen (nach Mglichkeit vorne weg) ist diese weiche Tatsache ein beinah unberwindbares Problem. Sicher 15 mal hat's mich bis Nouadibou (das waren lediglich 30 Kilometer) sprichwrtlich auf-den-Ranzen-geschlagen. Aufdenranzenschlagen ist eines, danach ein 300kg schweres Bike im Sand wieder aufzustellen ist was anderes...

Irgendwo auf diesem Hllentrip war noch so was wie der Mauretanische Zollposten: Ein paar aufgetrmte Steine, ein aufgefalteter Reissack als Schattenspender und ein... nunja, er hat sich als Zllner vorgestellt.
Ein Typ, in zerrissenen Hosen, als einziges Hab und Gut einen halbleeren Kartoffelsack und einen abgekauten Kugelschreiber. Damit hat er irgendwas unleserliches in den Pass geschrieben und natrlich wollte er Geld dafr.

Achso "Il y a des mines" hat er noch beilufig gesagt. Und weiter ging das Purzeln und Gewichtheben bei 35 Grad im Schatten und knappen 2 Liter Wasser...

La Rpublique Islamique de la Maurtanie RIM

Irgendwie bin ich mit meinem franzsischen Bikerkollegen dann doch in Nouadibou angekommen, einer Stadt im Nichts, so wst wie die Umgebung, so teuer wie die Zrich's Bahnhofstrasse und so freundlich wie die Frauenhaftanstalt von Torberg BE. Von den Reisenden wird die Stadt auch Nouadhiboudumonde genannt. Von Mauretaniens wichtigster Handelsstadt fhrt keine Strasse hin und keine weg. Nur Wstensand und wsten Sand.

Schon mal 9 Minuten auf den Zug gewartet? Ja? Schon mal 9 Stunden auf den Zug gewartet? Ja?! Alles gut und recht. In Nouadhibou hab' ich 9 Tage (jawohl, 9 T.A.G.E.) auf einen Zug gewartet! Sie nannten es "Gare", eigentlich htten sie's "Garenichts" nennen sollen oder "die-Mllhalde-neben-dem-Geleise-bei-Bahnkilometer 19"...

In Rosso ber die mauretanisch-senegalesische Grenze zu gehen, alleine, als Schweizer, auf einem Motorrad, zum ersten Mal, das wr' ein Ding der Unmglichkeit gewesen. Zuviele Schlepper, zu gross das Chaos, die Willkr, der Pschiss... Ich entschied mich ber den Staudamm in Diama Mauretanien ein fr allemal zu verlassen, da solls ruhiger sein, einfacher...

Pahhh! Auf 500 Meter zckst du dein Portemonnaie 7 mal: Auf Mauretanischer Seite zuerst fr die Gendarmerie, 20 Meter weiter fr die Police, dann kommt die Duane, dann la comune, dann die Passiertaxe fr den Damm, dann die senegalesische Polizei, dann der Senegalesische Zoll, dann die senegalesische Fahrzeugversicherung. Und jeder will eigentlich mehr, berall musst du verhandeln, dealen, freundlich lcheln und schleimen... (naja, das kann ich ja gut). Wieviel es gekostet hat? Keine Ahnung, interessiert auch keinen, Hauptsache weg von da!

Auf die Gefahr hin, das ich mit folgender Aussage Probleme mit dem Schweizerischen Antirassismusgesetz bekomme: Sollte mir je wieder ein Hassani, ein Sahauri oder ein Mauretanier begegnen, ich brnzle dem ans Velo, mitten auf der Strasse, auch wenn ich weiss dass es nicht seines ist und er's sicherlich geklaut oder ergaunert hat!

So, fertig der bsen Worte, ich muss ja auch gestehen, dass ich nur Kontakt zur Mittel- und Oberschicht hatte, dass das gemeine Volk Hunger leidet, eben von dieser Oberschicht ausgenommen wird, soll hier an dieser Stelle auch gesagt sein. Und zu lachen haben diese berechtigterweise nichts.

Und noch was nettes ber Mauretanien: Mauretanien ist schn, zumindest fr den, der Wste(s) mag...
Senegal

..Irgendwann mal siehst du etwas grnes am Horizont schimmern, pltzlich ein Baum - Grosser Gott ein Baum! Zwar drr und trocken, aber immerhin ein Baum... - und dann die ersten Strucher, Gras, und pltzlich ein fette Kuh. Das Paradies, Leben!

Wenn du als gemeiner Tourist in Senegal aus dem Flugzeug steigst erlebst du den Kulturschock pur - Wenn du aus der Wste in den Senegal kommst, hast du das Gefhl im Himmel zu sein: Hier lachen die Leute wenns was lustiges gibt, hier gibts viel lustiges, hier verhllen die Menschen ihre Gesichter nicht, hier gibts Musik, herrlich khles "Gazelle", so heisst die hiesige Biermarke und so nennt man(n) hbsche junge Senegalesinnen.

The Gambia

Die Gambianische Kste ist so was wie Westafrikas Disneyland. Eine Mischung aus Benidorm, Baggersee und dem Strassenstrich von Amsterdam. Hier trifft sich der Abschaum von Imholz und Neckermann zum gemeinsamen Pauschalspass: Mit Bierbauch oder Ganzkrperzellulitis, Sonnenbrand und Durchfall Kinder ficken bis zum Rckflug in zehn Tagen. Sowohl Mnnlein wie Weiblein brigens. Afrika im Sonderangebot...

Von Banjul/The Gambia aus wollte mich kein Schiff nach Europa zurcknehmen. Also gings zurck nach Senegal-Dakar. Kein Schiff auch hier, dafr die nette Lufthansa, die mich und meine Tante Berta im Handgepck nach Frankfurt jettete. In 6 Stunden die Strecke die ich in 6 Monaten schaffte... Naja, das war dann weniger interessant...

Ab Frankfurt gings mit 140 km/h (an dieser Stelle ein grosses Dankeschn an alle Europischen Strassenbauer) direkt ins hinterste Emmental, nach Eggiwil am Obersiechen am Schallenberg zum Biobauernhof der Familie Vogel. Meinen letzten Monat Zuvieldienst als Mister und Meisterknecht.

Fr die Statistiker unter euch hier ein paar Werte:

Gesamtstrecke Nord-Sd: 8202km
Zeit auf Achse: 157 Tage
Durchschnittliches Reisetempo: 4.354 km/h (Bei einer Reiseleistung von
12h/Tag)
Durchreiste Lnder: 7
Pannen: 0 (!)
Strze: ber 15 (irgendwann hab' ich aufgehrt zu zhlen...)
Polizeikontrollen & Checkpoints: Weit ber 40 (hier macht zahlen mehr
Sinn als zhlen)
Kostenpunkt: ca. 1.50 sFr./km
Entferntester Punkt: Gunjur - The Gambia


Nun trifft man mich wieder zwischen Loebegge und Zytglogge, zwischen MIGROS und Plastik, zwischen Wahnsinn und Kulturschock. Falls ihr mich da irgendwo treffen solltet, seid bitte umsichtig mit mir, ich habe in den letzten paar Monaten in einem Viertel m2 Alukiste gelebt, mich in dieser Zeit mit 5 Liter Wasserbrhe und einer leeren Konservendose geduscht, hab mit den Fingern aus dem gleichen Topf einer 10- oder mehrkpfigen Familie gegessen, hab' mein Bett mit 3 Leuten geteilt und seit 5 Monaten nicht mehr Fernsehen geschaut. Vermutlich bin ich etwas ab vom Schuss... Ich werd' mich wieder einrenken. Sicher. Und sonst zieh' ich halt 'gen Norden, da soll's im Sommer auch schn sein...

Was ich unbedingt noch loswerden will: - Daniel Furrer: Hey sorry, keine Postkarte; Ich kann meine BMW in der Zwischenzeit sogar im Kaltzustand ankicken. Ja, A-N-K-I-C-K-E-N.

- An alle Menschen dieser Erde: Wagt es ja nicht zu fragen wie viele Zylinder meine BMW-Boxer(!) hat, ob sie tatschlich 240km/h fhrt und wie viel Liter mein Tank fast. Nein, sie fhrt brigens nicht mit Diesel.

- Und fr alle die`s noch nicht wissen sollten: Ich heisse Luc und komme aus der Schweiz - aus Bern (das steht brigens auf meinem Nummernschild), nein, nicht aus Schweden und nicht aus Belgien, AUS DER SCHWEIZ - AUS BERN, JA, MIT DIESEM MOTORRAD. NEIN, ICH KANN KEINEN MITNEHMEN.

So das musste jetzt einfach nochmals in aller Deutlichkeit gesagt werden.


Machts gut, macht's besser oder versucht es zumindest: Luc_was_south

Aigh!


PS: Wohnen tu ich jetzt in einer gemtlich ausgebauten Garage an der
Aare in Bern, Engehaldenstrasse 53/G2. Wenn du will kommen bist du
willkommen.

Tel. +41 79 33 999 46


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greetings:

Naja, macht's besser oder versucht es zumindest:

M.f.G. L.U.C. aus bersee

EOM [end of message]